Die Männerakademie startet wieder

Im Oktober 2019 startet im Sub wieder die Männerakademie, in der es wieder um heiße Themen in der Männergesundheit geht.

Folgende Themen stehen an:

8. Oktober 2019: Dr. Klemens Ketelhut, Heidelberg:

Selbstinszenierung als Herausforderung schwuler Männlichkeit

Das Ideal des jungen, trainierten, gesunden und weißen, Körpers, verbunden mit der Idee der unendlich möglichen Körperoptimierung hat eine erhebliche Wirkungskraft innerhalb der Szene. (Junge) schwule* und bisexuelle Männer* leiden überdurchschnittlich an Ess- und Körperbildstörungen, an psychischen Erkrankungen und Einsamkeit. Die, deren Körper den idealisierten Darstellungen nicht nahe genug kommen, erleben einen doppelten Ausschluss – zunächst als nicht-heterosexuell begehrend und dann als in der schwulen Community nicht ausreichend mit körperlichem Kapital ausgestattet. Dazu tragen sicherlich auch Datingapps wie Grindr und Gayromeo bei, die mit der Fiktion der nicht endenden Verfügbarkeit immer neuer potentieller Datingpartner operieren. Mit freundlicher Unterstützung der Regenbogenstiftung München

12. November 2019: Dr. Martin Viehweger, Berlin:

Chemsex

Der Begriff „Chemsex“, der im anglikanischen Raum seit ca. 2004 und in Deutschland seit 2009 benutzt wird, beschreibt die Einnahme von bestimmten chemischen, psychoaktiven Substanzen zur Amplifizierung der eigenen sexuellen Kultur. Chemsex beschreibt dabei kein Phänomen herkömmlicher Traditionen von sexuellem Substanzkonsum wie er im Partyleben (recreational drugs) zwischen Menschen aller Geschlechter stattfindet., sondern geschieht zur Anregung des sexuellen Appetits, zum Abbau von Hemmungen, zur Steigerung des eigenen Sexualempfindens. Die Euphorisierung steht oft im Kontrast zu einer Pseudo-Intimität: intime Handlungen werden unter dem Einfluss von Drogen akzeptiert, die sonst nicht zugelassen worden wären.

10. Dezember 2019: Dr. Peter Rehberg, Berlin

Für den Arsch: Schwule Sexualpolitik damals und heute

Radikale schwule Sexualpolitik war in den 1970er Jahren nicht denkbar, ohne über ein Thema zu sprechen: den Arsch! Aus freudomarxistischer Perspektive wurden damals all die großen Themen – Familie, Kapitalismus, Faschismus – mit abgehandelt, wenn es um den Arsch ging. Insbesondere der französische Aktivist und Autor Guy Hocquenghem, dessen Das homosexuelle Verlangen 1974 auch auf Deutsch erschienen war, machte sich stark für eine Politisierung des Arsches. Was ist 50 Jahre nach Stonewall von dieser öffentlichen Begeisterung für den schwulen Analverkehr übrig geblieben? Welche Rolle spielt speziell schwuler Sex in unseren Vorstellungen und Forderungen von Politik heute? Mit freundlicher Unterstützung der Regenbogenstiftung München

14. Januar 2020: Dr. Nils Postel, München

Hepatitis C – warum schwule Männer besonders betroffen sind

Die Hepatitis C ist eine spezielle Virusinfektion, die hauptsächlich die Leber befällt. Man kann sich durch Slammen (Drogenkonsum durch die Vene), Sniffen (Drogenkonsum durch die Nase), Fisting und Analverkehr anstecken. Besonders gefährlich: man bemerkt die Infektion fast nie und sie wird oft chronisch, heilt also nicht von allein aus. Ist man lange unbemerkt infiziert, kann eine Leberzirrhose oder ein Leberkrebs auftreten. Wir besprechen, was man tun kann, um auf der sicheren Seite zu sein und wie eine Hepatitis C heutzutage behandelt wird.

11. Februar: Dr. Michael Plaß, München:

„Selbstoptimierung – Gibt es das perfekte Ich?“

„Schon länger gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst zu optimieren. Aber immer mehr Männer spüren einen erhöhten Druck erfolgreich sein zu müssen. Nicht nur im Beruf, auch hinsichtlich von Schönheitsidealen, Gesundheit und im Sexualleben. Aber gibt es überhaupt einen Zustand des „optimalen Ichs“? Und welche Herausforderungen und Risiken stellen sich auf dem Weg zur im Ideal?“

10. März: Dr. Sebastian Noe, München

Diabetes

Der Diabetes mellitus ist eine häufige Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Er entsteht, wenn Insulin fehlt oder der Körper sich an Insulin zu sehr gewöhnt (sog. Insulinresistenz). Typisch für den Diabetes sind durchweg zu hohe Blutzuckerwerte, die unbehandelt Schäden an Gefäßen und Organen hinterlassen. Wenn eine Umstellung der Ernährung und mehr körperliche Bewegung nicht mehr ausreichen, um die Erkrankung in Schach zu halten gibt es – neben Insulin – mittlerweile viele Medikamente mit der der Diabetes gut behandelbar ist und seine Folgeschäden vermeidbar sind.

Alle Termine sind immer Dienstags und finden im Sub, Müllerstraße 14, 80469 München statt. Beginn jeweils um 19:30 Uhr

Männerakademie im Sub

Wie schon in der letzten Jahren gibt es in den Monaten Oktober bis März die Männerakademie im Sub.

Männer leiden anders

Das Sub widmet sich dem Thema Männergesundheit

Burn-out, Krebsvorsorge, Homophobie, Ängste, Sex und Gewalt. Männer sind eigen – jedenfalls, wenn es um ihr Wohlbefinden geht! Und deshalb widmet ihnen das Münchner Schwulenzentrum eine eigene Akademie. Semester für Semester laden wir zu Vortragsreihen und Workshops, die sich den unterschiedlichsten Aspekten des Themas Männergesundheit annehmen.
 

“Wir haben die Männerakademie gegründet, weil Männer spezifische Gesundheitsthemen haben, denen sie sich viel zu wenig widmen. Wir wollen sie dafür sensibilisieren, die Relevanz der einzelnen Gebiete für sich zu hinterfragen”, sagt Christopher Knoll, fachlicher Leiter der Sub-Beratungsstelle für schwule Männer. Knoll hat die Männerakademie zusammen mit Kai Kundrath, damals Leiter der HIV-Prävention im Sub und heute Geschäftsführer, schon 2013 ins Leben gerufen.

Nach den großen Erfolgen in den vergangenen Wintersemestern lebt die Männerakademie auch in dieser Saison wieder auf. Schwule, Bi, Hetero und Trans* diskutieren an sechs Abenden in der Müllerstraße 14 gemeinsam mit Experten. Hochkarätige Referent*innen kommen ins Schwulenzentrum. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Hier das Programm:

Männerakademie – Wintersemester 2018/2019

Sub, Müllerstraße 14, 80469 München

Dienstag, 9. Oktober 2018, 19.30 Uhr – Andropause/Midlifecrisis. Wie sie sich zeigt und wie Mann mit ihr umgehen kann

Referent: Nils Postel, Infektiologe und Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin

Ab dem mittleren Lebensalter verändern sich Körper und Seele von Männern. Wir wollen alle lange leben, alt sein will aber kaum einer. Was ändert sich körperlich, wenn wir älter werden? Wie zeigt sich die Alterung? Und warum neigen Männer dazu, seelische Problemsymptome als rein körperlich bedingt fehlzuinterpretieren?

Dienstag, 6. November 2018, 19.30 Uhr – Chemsex. Let’s talk about sex – and drugs

Referentin: Anne Iking, Sucht- und Gestalttherapeutin, Salus-Klinik Hürth

Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und psychoaktive Substanzen beim Sex einsetzen, beschäftigen Suchtfachleute seit Jahren. Was tun, wenn Konsum und soziales Leben, Beruf oder Gesundheit außer Kontrolle geraten? Wir stellen ein Behandlungskonzept für MSM mit Chemsex-Konsummuster der Salus-Klinik in Hürth vor und diskutieren darüber.

Dienstag, 11. Dezember 2018, 19.30 Uhr – Der “arabische Mann”. Bilder zwischen Angst und Begehren

Referent: Peter Rehberg, Germanist, Sammlungsleiter Schwules Museum Berlin

Im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise ist der junge arabische und muslimische Mann in den Fokus kultureller Diskussionen gerückt. Wir gehen der Frage nach, welche Bilder vom “arabischen Mann” in unserer gegenwärtigen Medienkultur im Umlauf sind und wie sich die schwule und queere Perspektive dazu verhält. Welche Ängste tauchen auf, was fasziniert uns? Wir betrachten Beispiele aus Medien, Filmen, Kunst und Pornografie.

Dienstag, 8. Januar 2019, 19.30 Uhr – Männer in tiefen Krisen. Wie sie sie erleben und welche Krisenunterstützung funktioniert

Referent: Johannes Schauer, Diplom-Psychologe, Systemischer Therapeut

Krisen und Probleme können Menschen überfordern, so dass deren Bewältigung nicht mehr gelingt. Wie können Männer diese Situation bei sich und ihrem sozialen Umfeld verstehen? Wie können sie die Probleme lösen und eine neue Stabilität erreichen?

Dienstag, 12. Februar 2019, 19.30 Uhr – Die Angst vor sich selbst. Die Homophobie des Homosexuellen

Referent: Falk Stakelbeck, Psychoanalytiker

Der Begriff Homophobie gilt zu Recht als zu schwach für die immer noch bestehende und sich wieder verstärkende Feindseligkeit. Wir diskutieren, ob die früher als Selbsthass oder Neurose beschriebene Selbstentwertung des Homosexuellen nach seiner Emanzipation noch immer weit verbreitet ist.

Dienstag, 12. März 2019, 19.30 Uhr – Körperbilder in der schwulen Community. Keine Fetten, nur XL, ab 1,90m

Referent: Nico Erhardt, Soziologe

Unter Schwulen ist der wertende Blick auf Körper oft allgegenwärtig und prägt das Verhalten. Wenn es online zum Beispiel heißt: “Keine Dicken” oder in der Szene: “Da geh ich nicht rein, sind doch eh nur fette Typen drin”. Ist diese Wertung Teil der Sexualität oder entsteht sie als Teil unserer Persönlichkeitsentwicklung? Wir hinterfragen, liefern einen historischen Exkurs, bieten soziologische Erklärungs- und Denkansätze zur Veränderung. Denn wir finden: “All bodies are beautiful!”

Christopher Knoll führt jeweils durch den Abend.